Offiziersbewerber

Letztens kam da doch der Film "Napola" im Fernsehen.
Das Thema hat mich irgendwie interessiert und der Film war wirklich gut.

Bei einer Szene musste ich dann aber grinsen. Der Protagonist erklärt seinen Eltern, dass er auf die Napola gehen möchte und die fallen aus allen Wolken.
Den Satz: "Da gehst du nicht hin!" hatte ich so ähnlich auch mal gehört.
Das war vor über 25 Jahren. Da hieß dieser Teil Deutschlands noch DDR und durch die Schulen zogen immer mal wieder Gesandte des Wehrkreiskommandos.
Das war in etwa das, was heute Kreiswehrersatzamt heißt.

Und da durfte man dann als Schüler zum Gespräch antanzen. Genau weiß ich es nicht mehr, aber ich denke, dass das so in der achten, neunten Klasse war.
Bei so einem Gespräch wurden einem die Vorteile erklärt, die man hätte, wenn man sich für 25 Jahre der NVA verpflichten würde und Offizier würde.
Und die Vorteile klangen ja erst einmal gar nicht so schlecht. Diese sogenannten Offiziersanwärter schnappten gern mal anderen die Plätze zur Ausbildung als KFZ-Mechaniker weg.
Wer jetzt da die Nase rümpft und den Kopf schüttelt, wie man so einen Berufswunsch als begehrenswert ansehen kann:
Dieser Beruf war damals fast mit einer Lizenz zum Gelddrucken vergleichbar. Autos wurden nicht verschrottet, sondern wieder aufgebaut. Und dieses Geschäft lief nach Feierabend bei vielen recht gut. Aber ich schweife ab.

Nach so einem Gespräch habe ich irgendwann mit der Schulter gezuckt und gemeint, dass ich die Unterlagen ja mal mit nach Hause nehmen kann. In dem Alter war ich sowieso noch recht ziel- und planlos, was meine Zukunft anging.
Außerdem war ich froh, nicht noch weiter von dem Menschen zugetextet zu werden.
Die Papiere landeten zu Hause auf dem Esstisch und ich schwirrte ab zum Training.

Als ich nach Hause kam, waren meine Eltern in heller Aufruhr. An dieser Stelle fiel genau derselbe Satz, wie im Film: "Da gehst du nicht hin!". :-)
Auch das quittierte ich schulterzuckend und sagte in der Schule Bescheid, dass sie auf mich verzichten müssten als Offizier.
Mir war damals so vieles egal.

Dem Mann vom Wehrkreiskommando nicht. Der ließ mich dann noch öfter aus dem Unterricht holen, um mir in Einzelgesprächen die Offizierslaufbahn schmackhaft zu machen. Das nervte dann doch etwas. Erst eine Intervention meiner Eltern bei dem "Werber" beendete die Sache dann endgültig.

Und die Geschichte, warum man mit einer Rückenkrankheit in der DDR nicht Koch werden konnte, dafür aber in einem, für diese Krankheit angeblich geeigneten Beruf, stundenlang an der Feilbank stehen durfte, erzähle ich euch ein anderes Mal. :-)

Category: damals
Posted 02/20/07 by: ixy - 4819x

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Kommentare

MoNeo schrieb:
Hi ixy, hast Du damals schin in Strausberg gewohnt? Falls ja, wäre es für einige in diesem Zusammenhang sicher hilfreich zu erwähnen, dass in Strausberg das Verteidigungsministerium der DDR angesiedelt war und mindestens jeder zweite etwas mit der Armee zu tun hatte.
Mich haben sie damals übrigens eingefangen. :-) Aber ich beschwer mich nicht, die fünf Jahre Auslandsstudium waren es wert. Und zum Glück kam ja dann die Erlösung per Wende.
02/21/07 03:04:28
ixy schrieb:
Ja ich bin in der "uniformierten" Stadt Strausberg aufgewachsen. :-)
Wenn ich damals zugesagt hätte, dann wäre ich mitten im Studium von der Wende überrascht worden.

Und Erlösung durch die Wende?
Ich kenne welche, die ihr Leben eigentlich anders geplant hatten und sich nach der Wende auch völlig neu orientieren mussten. Die fanden das gar nicht so toll.
02/21/07 14:11:52
Der Dennis schrieb:
So sieht jeder die Dinge anders.

Aber die Geschichte mit dem Bäcker und dem Rückenleiden möchte ich dann doch gerne mal demnächst hier lesen. Klingt als ob auch für Dich die Wende nicht unbedingt zu den schlechten Dingen gehört hätte... :-)
02/21/07 19:28:42
MoNeo schrieb:
Also ich hatte mein Leben auch anders geplant (mein Arbeitsvertrag lief ja noch mindestens 20 Jahre), aber ich denke mal, das trifft auf so ziemlich jeden der 15 Mio damals übriggebliebenden OSSIs zu.
Und in meiner ganz persönlichen 'Leidensgeschichte' kam die Wende halt im rechten Moment: Studium gerade abgeschlossen, Abschluss nicht ganz unbrauchbar, immer noch jung und mangels Gelegenheit nicht in der DDR-Realität abgestumpft.
Halt eine super Situation für einen Neuanfang. Im Nachhinein auch einen gelungenen, aber das weiss man ja vorher nie.
Das Wort 'Erlösung' ist natürlich subjektiv, trifft es für mich aber voll, denn während des Studiums habe ich schon gemerkt, dass so ein klar strukturierter Laden (wie es eine Armee nun mal ist) nichts für mich ist. Was war ich froh, als der Bund mich dann nicht haben wollte ;-)
02/22/07 02:56:59
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