Scheint zur Zeit Mode unter den Bloggern zu sein, über ihre
alten Autos zu schreiben. Dem will ich mich nicht verschließen und folge mal der Herde.
Fangen wir mal in Jugendjahren an. Da musste ich ziemlich lange sparen, um mir ein hübsches Moped leisten zu können. Eine Simson S 51 B 4-Gang. Wurde gehegt und gepflegt. Leider bin ich fast ständig mit heruntergedrehten Blinkern gefahren, weil die Batterie tot war. Damals konnte man ja noch mit Handzeichen auf seinen Richtungswechsel aufmerksam machen.
Darf man das heute eigentlich auch noch? Mit ohne Blinker fahren?
Das erste richtige Auto war dann eigentlich auch nicht richtig meins. Mein Bruder und ich hatten schon 1990 die innovative Idee des Carsharings entdeckt und uns gemeinsam einen alten Trabbi gekauft. Hat voll gereicht und einen klaglos von A nach B gebracht.
Außer, wenn man vergessen hatte zu tanken. Dann blieb man schon mal
auf der Autobahn stehen...
Irgendwann später wollte ich endlich mal ein eigenes Auto haben. Ich pendelte damals zwischen Strausberg und Schleswig-Holstein und war das Zugfahren satt.
Also stiefelte ich los und holte mir einfach mal ein Auto. Also recht blauäugig gleich um die Ecke, bei einem Gebrauchtwagenhändler. Natürlich auch ohne vorher mal bei anderen zu gucken. Ich kaufte mein erstes Auto wie jemand, der mal schnell noch ein paar Schrippen beim Bäcker geholt hat.
Da standen ein paar Kleinwagen rum. Die waren alle nicht so das Gelbe vom Ei. Aber ich wollte just zu dem Zeitpunkt ein Auto und nicht woanders noch mal hinfahren.
So fiel dann meine Wahl auf einen Nissan Micra. Schön rot und auch recht billig. Dachte ich jedenfalls. Dass aus den 9000 DM dank jahrelanger Finanzierung am Ende 12000 DM werden sollten, habe ich überhaupt nicht geahnt.
Und auch nicht, dass der Motor irgendwann seinen Geist aufgeben sollte und ich noch eine Weile ein Auto abbezahlen würde, dass ich gar nicht mehr habe.
Da war ich aber mit Sicherheit nicht der Einzige Neufünfländer, der damals so sein Geld zum Fenster rausgeworfen hatte.
Der Micra war eigentlich nicht schlecht. Nur dass er anscheinend die wöchentlichen Autobahnfahrten unter Vollast nicht vertragen hat. Der Motor schluckte Öl, wie ein Kamel das Wasser in der Oase. Gut ein Liter Öl gingen da auf 100 Km durch den Auspuff.
Als es mit dem Micra nicht mehr ging, durfte ich mir auch mal den Audi 80 vom Papa ausborgen. So ein richtiger alter, kantiger Audi, in dem man so tief saß, dass es von Außen aussah, als ob ein Kind hinterm Steuer steckte.
Der lag wie ein Schiff auf der Straße, hatte aber einen Makel: Die Lichtmaschine lud nicht so richtig. Und irgendwann war die Batterie leer.
Da kann ich mich noch erinnern, wie die ganze Familie das gute erste Westauto leise die restlichen Meter nach Hause schob und hoffte, dass die Nachbarn das nicht mitbekommen.
Es ist auch ein prickelndes Gefühl, wenn man als einziger auf der Autobahn in der beginnenden Morgendämmerung bereits das Licht ausgeschaltet hat, ohne Radio fährt und auch bei leichtem Nieselregen konsequent die Scheibenwischer auslässt, weil man merkt, dass die Batterie zur Neige geht. :-)
Besser wurde es dann später als kinderloses Paar mit gutem Einkommen. Wir fuhren mit einem dicken VW Vento herum, der einen überdimensionalen Kofferraum hatte. Also ein Auto zum bequem fahren. Nicht so ein "praktisches Auto", wie man es sich anschafft, wenn das erste Kind da ist.
Denn ab dem Zeitpunkt beginnen die Überlegungen, wie man am besten den Kinderwagen verstaut, das Reisebett, den Hochstuhl und andere Utensilien mit in den Urlaub bekommt. Ein Kombi musste her. Wir blieben bei VW, stuften uns eine Klasse tiefer und hatten dann einen Golf Variant. Praktisch, aber ohne viel PS. Familienauto halt.
Der war kaum kaputt und so recht sparsam im Unterhalt. Bis er
ganz kaputt war. Das war dann recht schade, denn nun fehlte erstmal ein Zweitauto, was wir in der Hausbauphase brauchten. Das andere, was wir zu der Zeit hatten, war ein Hundai Lantra. Schnell, gut PS, aber kein so ein richtig hübsches Auto.
Für den Rest der Bauzeit hatte ich mir dann
einen Opel geholt. Nie wieder. War auch schon recht alt, das Teil, welches dann schleunigst durch einen alten, aber guten Golf ersetzt wurde.
Mit Kind 2.0 brauchten wir dann wieder eine größere Familienkutsche und ein Ford wurde angeschafft. Wenn der "abgefahren" ist, bin ich um eine Erfahrung reicher und weiß, dass nur im allergrößten Notfall ein Auto dieses Herstellers von mir gekauft wird. Rostlaube.
Und nun gehts Back to the Roots, denn im Keller stehen lauter Teile von zwei Schwalben herum, die darauf warten, als wunderhübsches, himmelblaues Moped wieder aufzuerstehen.
Ist der Text doch länger geworden, als ich wollte.
Wie siehts mit euren Autoerfahrungen (nicht: autoerotische Erfahrungen) aus?
Du bist mal Opel gefahren??? ;-) Hallo Leidensgenosse.